Bad Überkingen

Bad Überkingen

Da mein Resturlaub nun langsam auch mal weg musste habe ich mir natürlich Gedanken gemacht was ich tun kann, da meine Frau keine Zeit hatte, so dass wir nach Schottland konnten. Plante ich diesmal alleine, da ich mein Fachwissen mit etwas praktischen Erfahrung bereichern wollte, dachte ich an ein Praktikum.

Um das alles in einem Bezahlbaren Rahmen zu lassen, versuchte ich es zuerst in Deutschland und mir die lange Erklärung zu sparen, sprach ich von anfang an von einem Praktikum. Dies natürlich nicht für lau, sondern für Kost und Logis. Dann habe ich zuerst an Obstbrenner gedacht aber auch berücksichtigt das es um einige Weingüter mehr gab, somit beide angeschrieben. Da ich zuerst als Datum die Osterzeit bekannt gab, bekam ich dementsprechend auch viele Absagen. Als ich dann kurzfristig aber Ende Februar in den Urlaub musste, bekam ich eine positive Antwort von der Firma Gansloser aus Baden-Würtemberg.

Es stellte sich heraus das es alles so ablaufen konnte wie ich mir das vorgestellt hatte und die kurzfristige Terminänderung kein Problem war. Da die Firma nun zum Portfolio der „IQ 4 YOU“ Gruppe gehört ergab sich auch die Möglichkeit weit mehr zu enddecken als nur eine Brennerei. Ich hatte den Einsatzplan bekommen und mir war nicht im geringsten klar, was da auf mich zukommt. Produktion, Lager, Brennerei waren für mich geplant, als ich dann aber am ersten Tag dort ankam, gab es zuerst mal nen Schock.

Produktion

Ich kam um kurz vor 8 pünktlich im Verwaltungsgebäude an und alles begann mit einem Rundgang durch die Firma. Über die Größe der Anlagen und was da auf mich zukommt war mir nicht klar. Jeweils eine Anlage zum Abfüllen von Dosen, Glasflaschen und Plastikflaschen standen dort in einer Halle. Eine Maschiene so gross, dass das gut und gerne die Grundfläche meines Eigenheims sein könnte.

Allein beim Rundgang ergaben sich schon neue Erkenntnisse die man so vorher nicht wusste, das aufreissen der Produkte an der Bar ist immer so selbstverständlich, aber wer hat schon mal gesehen wie eine Dose befüllt wird? Nun stelle man sich vor dies passiert von mehreren zig-tausend Stück pro Stunde, wie geht das? Nun habe ich es gesehen, wirklich mal interessant. Nicht eine 15 minütige Führung durch die Halle, mit einfachen Kommentaren die man auch Kindern erzählen kann und wenn man was genaueres Fragt steht derjenige dort als wenn er noch nie dort war. Ich habe die Qulitätskontrolle gesehen, was alles passieren muss um diese Geschwindigkeit zu halten, warum trotz Vollautomatiesierung immernoch einige Menschen alle Hände voll zu tun haben, wie entspannt es sein kann wenn alles läuft (was selten vor kommt) und das die Maschienen sich immernoch nicht ohne Menschenhand bedienen lassen.

Den ersten Tag übergab man mich in die Dosenabfüllanlage, dort fing alles zuerst auch relativ entspannt an, ich habe erstmal die ganueren Geräte kennen gelernt und dann auch einfache arbeiten alleine ausführen können. Die Fragen konnte mir alle gut beantwortet werden, speziell zum Pasteurisieren hatte ich einige. Die Mixstation fand ich natürlich spannend aber das hat eher was mit einem elektronischem Rechensystem zu tun, aber auch viel Muskelkraft. aber in centiliter passiert da nicht soviel. 😀 Dann wollte allerdings die Pakmaschiene wohl früher in den Feierabend als sie sollte und man musste sehr viel selber machen. Blödes Ding!

Am nächsten Tag kam ich dann in die Flschenabfüllanlage, wo sie gerade Mineralwasser produzierten. Auch dort wurden mir erstmal alles erklärt und man nahm sich wirklich sehr viel Zeit für mich, dann wurde ich an der Spülmaschiene positioniert, was mal so garnichts mit dem Gerätchen von zu Hause zu tun hat, Fassungsvermögen von 10000 Flaschen oder mehr und gross wie ein Bus. Man verstand das Prinzip, ich habe wirklich viel erfahren. Wie die Kohlensäure in die Flasche kommt. Klingt so einfach aber wozu dann so eine grosse Maschiene, also doch nicht so einfach. Auch hier natürlich alles Vollautomatisiert, Wahnsinn was die Maschiene alles so alleine macht. Dann haben wir alles zusammen gereinigt und der Feierbabend rufte!

Am dritten und letzten Tag in der Produktion schaute ich mir die PET-Anlage genauer an und landete dann doch an meinem Platz vom Vortag. Nicht sehr Aufregend allerdings spiegelte es doch sehr gut den Alltag von dem arbeiten hier, ausserdem spielte sich sogar schon bisschen Routine ein und mit den Kollegen machte das sogar wirklich Spass. Aber es reicht auch als Erfahrung.

Dann hatte ich allerdings noch das Privileg mit der Geschäftsleitung eine Verkostung zu machen die ich so wohl nie wieder haben werde. Es war ne ganze Menge vorzubereiten und einzuschenken, alles ziemlich professionell, wobei mir doch einige Sachen aufgefallen sind. Aber gut, dann kamen alle wichtigen Leute zusammen. Danach wurde es mir zu schnell und die ersten beiden Runden kam ich garnicht hinterher. Das Ziel dieser Verkostung verstand ich auch erst beim dritten Flight. Nun gut, ich hätte es gern anders gehabt, aber als Praktikant ist das auch nicht meine Baustelle. Interessant war es auf jeden Fall, vor allem die Produkte und vor allem die Vielfalt. Intensive Einblicke in die Getränkeindustrie, garantiert!

Nach dieser Verkostung ist mir allerdings noch etwas aufgefallen, was ich später in einem lockeren und unter vier Augen-Gespräch erwähnt habe. Wo ich meine persönlichen Zweifel auf einen überregionalen Erfolg habe. Wir werden sehen was daraus wird, vielleicht täusche ich mich auch. Gerne probiere ich es wenn es fertig ist, aber dann in einem kleineren Kreis und unter mein Bedingungen!

Lager

Der Tag im Lager begann sehr freundlich und ruhig, was sich leider den ganzen Tag fortsetzte. Als ich ankam sagte man mir das es auch nicht wirklich mehr werden würde aber ich kriegte doch einen Einblick von der Arbeit dort. Ich packte Bestellungen für Gansloser. schaute mir eine Containerbeladung an und sah beim telefonieren zu. Kaffee trank ich auch, bis dann doch einige Lieferanten auf einmal kam. Wo man mir sagte, wenn der Parkplatz voll mit Lastwagen ist, hier die Luft brennt. Anlieferung, Abholung, Telefonate, LKW-Fahrer die kein Deutsch können, der Empfang für alle Besucher und Spezialauftträge und und und. Ich glaube den Jungs das, und wenn man 40 Tonnen Container per Hand laden muss dann ist man abends tot. Allerdings kam dann noch eine Bestellung in die Schweiz dazu, die dann doch sehr interessant war. Die Regularien vom Zoll und Gesetze, gerade für Alkohol, können einem viel Papierkram einbrocken. Über Steuerlager und Transport inner- u. ausserhalb der EU habe ich einiges erfahren, aber viel mehr war dann doch zu sehen. Somit fragte ich, ob ich nicht nächsten Tag mal nen Blick ins Labor machen kann. Ntürlich war die Antwort, da freu ich mich richtig drauf…. 😀

Labor

Heute war dann mein Labortag, auch dort stellte ich mich erstmal vor und erklärte was ich denn hier so mache. Im ersten Moment wissen die Leute nicht so recht damit umzugehen, aber wenn man Ihnen das ein bischen erklärt dann finden Sie es eigentlich alle gut.

Zuerst sind wir in die Produktion gegangen und haben dort die Proben von den Anlagen geholt. Speziel von den Reinigungsanlagen. Die wurden beschriftet und dann ausgewertet. Im Laufe des Tages kamen aller dings auch noch einige dazu. Für viele Proben muss man besoren als später gebraucht wird. Denn die erste Probe wird gebraucht und dann stellten wir Rückstellmuster bereit die ordentlich beschriftet worden sind. Aber falls die erste Probe nicht in Ordnung ist, wird von der gleichen Produktion 4 weitere Untersuchungen gemacht. Dies erfordert natürlich Material, was schwierig wird wenn das Labor 3 Stunden später anfängt als die Produktion. Deswegen entnimmt man immer gleich genug.

Wir haben die Säure gemessen, wobei die Kohlensäure vorher entfernt wurde, denn es ist ja auch eine Säure. Dann haben wir eine Kohlensäurelieferung kontolliert, verschiedene Proben auf chemische Verbindungen untersucht. Protokolle sortiert und einiges mehr. Wirklich viel interessantes zu sehen, vor allem das Buch über Mikrobiologie der Getränkeindustrie hat mich fasziniert. Viel über Hefen und die Gärungsarten, einige Bilder dazu und ne ganze Menge Wissen.

Dann wollten wir den Alkoholgehalt von einer Spirituose messen, dies ging aber nur wenn man vorher den reinen Alkohol wieder destilliert und dann mit Wasser wieder auffüllt. Aufgrund der veränderten Masse, konnte das Gerät dies sonst nicht ermitteln. Also alles unter gleichen Bedingungen abgefüllt, dann in einem speziellen Gerät destilliert und dann gemessen. Da es hier um riesiege Mengen in der Produktion geht, mussten wir diesen Vorgang wiederholen damit eine gleichbleibende Qualität über den Produktionszeitraum gewährleistet ist.

Dann kam der Chef noch kurz hinzu und erklärte mir noch ein paar Feinheiten warum dies so sei und über Steuerfreilager für Alkohol. Alles in allem ein sehr interessanter Tag.

Brennerei

Als ich meinen ersten Tag kamen ich gleich zu dem Vergnügen den Brennvorgang eines „Eis Schlehen Brandes“ verfolgen zu können. Am morgen hatte der Kessel noch nicht die richtige Temperatur, geheizt wurde mit Dampf der im Nebenraum erzeugt wird und zwei Rädern an der Blase geregelt wird. Da wir hier jetzt nicht wirklich viel machen konnten wurde mir erstmal alles gezeigt. Frische Äpfel standen bereit eingemaischt zu werden und einige Behälter warteten noch auf die Destillation. Das Gebäude war natürlich nicht so Idyllisch wie man sich das vorgestellt hat, aber dies soll eventuell noch geändert werden.

Nachdem wir mit dem Rundgang fertig waren, konnte ich mal den Vorlauf probieren. So früh am morgen nicht wirklich angenehm auf der Zunge. Aber beim zweiten mal schmeckte man auch was. Wir maischten am Tag noch Schlehen ein, wobei ich das erste mal in meinem Leben Schlehen sah. Riechen ziemlich herb und sehen aus wie grosse Blaubeeren. Dann habe wir den ganzen Tag den Brennverlauf verfolgt und auch immer wieder probiert, man schmeckt immense Unterschiede. Dies dauerte den ganzen Tag, wobei sich einige Fragen beantwortet haben.

Der zweite Tag war nicht sonderlich spannend, wir haben Flaschen abgefüllt. Nun gut, bei der Menge lohnt sich aber nicht so eine grosse Maschiene wie die der Etage unter uns. Wir haben veschiedene Brände für die Finest Spirits in München abgefüllt und etikettiert. Dies sollte natürlich alles gerade aussehen, was garnicht so einfach war. Und wenn zehn gut aussehen heisst das nicht das der elfte auch so wird, so einige male musste ich etwas wieder abreissen. aber das gehört dazu, dazu kam auch noch kleinere Tätigkeiten.

Der dritte Tag fing an mit Flaschen abfüllen, der Schlehebrand von vorgestern. Den wir vorher natürlich mit Wasser auf Trinkstärke herunter setzen mussten. Was allerdings nicht so einfach ist, man sieht viel was alles dazu gehört beim destillieren. Man sieht aber auch Sachen die man sich so nicht vorstellen können. Als dies dann dann abgefüllt war, bereiteten wir noch vier Zwöfliter-Flaschen vor, auch für die Messe. Danach halfen wir im Sirupraum, bei einem Problem was ich mir nicht hätte vorstellen können. Bei so vielen Rohren war es nicht möglich einen Tank auszupumpen, somit musste irgendwo ein Schlauch angebracht werden und dies alles in grosse Ersatztanks gepumpt werden. Seltsam aber dann sind dann die Probleme des Sirupsraums, dies war dann auch das Ende meiner letzten Schicht. Ich verabschiedete mich noch von meinen Kurzzeitkollegen und dann ab ins Hotel.

Fazit zu meinen Praktikum, zuerst mal vielen Dank an die Firma „IQ 4 YOU„!

Vieles gesehen und erfahren was man bei einer normalen Tour nicht sehen würde, aber auch Missstände gesehen z.B. Störungen der Abläufe aber auch einiges mehr. Alles in allem wirklich spannend, allerdings nicht so Idyllisch wie ich mir das vorgestellt hatte als ich mich bei der Firma „Gansloser Destillerie“ für ein solches Praktikum bewarb.

Der Firma „Gansloser“ wünsche ich für die Zukunft alles gute und hoffe das sie zu der Qualität und Ruhm zurückfinden die Sie einmal auszeichneten!